In der Abstimmungs-App wurden die Namen der elf Kandidatinnen angezeigt. Maikel wandte sich ab und hielt eine Hand über sein Handy. Sollte er lieber Jule wählen? Weil sie kompetenter war? Und vor allem weil – sie nicht seine Freundin war? Der Gedanke, dass Coco den Parteivorsitz übernehmen könnte, erschien ihm in diesem Augenblick zum allerersten Mal realistisch. Und jagte ihm Angst ein. Die Sekunden liefen herunter.

Er tippte im letzten Moment auf Cocos Namen. Kurz darauf wurde das Ergebnis angezeigt. Applaus, Raunen, überraschte Rufe. Es dauerte einen Moment, bevor Maikel die Zahlen übereinander bringen konnte.

Djamila sagte: „Damit hat Jule Angerhof die meisten Stimmen erhalten, die zweitmeisten Stimmen gehen an Coco Frahm. Also sind Jule und Coco in der Stichwahl.“

„Gott …“, machte Coco. Tabea nahm ihre Hand. Cocos andere Hand griff nach Maikels.

Die Namen der beiden Frauen tauchten auf den Displays auf.

„Du musst wählen“, sagte Tabea, „los Coco, wähl dich. Jede Stimme zählt.“

„Ich hab keine Hand frei“, flüsterte sie.

Die Sekunden liefen herunter.

Maikel starrte Coco an. Sie war leichenblass geworden.

„Auf Coco entfallen 548 Stimmen“, verkündete Djamila nüchtern, „das entspricht 50,3 Prozent. Damit bist du zur Vorsitzenden gewählt. Nimmst du die Wahl an, Coco?“


Toxische Macht

Coco könnte Kanzlerin werden. Als Studentin von 24 Jahren! Denn sie ist Spitzenkandidatin der neuen Klimaschutzpartei „FUTURE“, die bei den Umfragen hauchdünn in Führung liegt. Aber „besorgte Bürger“ wollen Coco stoppen. Notfalls mit Gewalt – solange es wie Selbstmord aussieht. Ausgerechnet Cocos Exfreund Maikel soll den schmutzigen Job übernehmen. In der Nacht vor dem entscheidenden Wahlsonntag treffen Coco und Maikel aufeinander …