Drei Jugendliche ringen um ihre Freiheit: Harry kämpft sich durch die Ruinen der Nachkriegszeit, Jennifer landet wegen ihrer Regimekritik im brutalsten Jugendwerkhof der DDR und in der heutigen Zeit sieht sich der Slam-Poet Nadiem bei seinem ersten großen Auftritt einem rechten Mob gegenüber. Jahrzehnte trennen diese Geschichten voneinander und doch verbindet sie neben einem familiären Geflecht der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung, mit dem die drei Jugendlichen schnell an Grenzen stoßen – und der Mut, diese zu überwinden.

dtv
978-3-423-74126-2
ET 14.8.25
352 Seiten, 16,00 Euro
Ab 14 Jahren


Presse

“Drei Erzählstränge verdichten sich packend zum generationenübergreifenden Plädoyer – Menschlichkeit und Freiheit erfordern besonderen Einsatz.”
Andrea Kachelrieß in der Stuttgarter Zeitung am 03.12.2025

“Über die Schicksale von Altersgenossen wird deutsche Geschichte fast spürbar.”
Lili Ruge am 6.12.2025 im Bayerischen Rundfunk, BR24 Radio

“Christian Linkers Roman ist ein Pageturner, weil die drei Perspektiven sich kapitelweise abwechseln, jedes Kapitel auf einen Cliffhanger zugeschrieben ist und der Autor die Geschichten thematisch geschickt miteinander verknüpft.”
Dina Netz in der Fachzeitschrift “Eselsohr” am 01.08.2025

“Ein wichtiges und spannendes Jugendbuch.”
LizzyNet.de


1947

„Wir werden Volkslieder singen“, erklärte der neue Jugendpfleger. „Nicht diese Affenmusik, wie in Ihrem Club. Unser armes Volk braucht Erbauung, ganz besonders die Jugend. Würde Ihnen auch mal guttun. Und ein Haarschnitt.“

Harry schnappte nach Luft und ein Teil von ihm wünschte sich plötzlich, er hätte letzte Nacht das Gewehr des britischen Soldaten nicht einfach von sich geworfen, sondern mitgenommen. 

„Komm.“ Frieda zog ihn zur Tür.

So verließen sie das Büro und das Rathaus und standen auf der eisigen Straße.

„Ich bringe ihn um!“, zischte Harry. 


1988

Der eisige Januarwind ließ die schwarzrotgoldene Flagge mit dem Wappen aus Hammer, Zirkel und Ährenkranz in der Stille knattern. Alle starrten stur geradeaus, nur Jenny fing den Todesblick des Schulleiters auf und erwiderte ihn beinahe freundlich, als würde in dem Moment Nicole neben ihr stehen und ihr eine Hand auf die Schulter legen.

„Ich will wissen …“, der Direktor holte noch einmal Luft, um den zweiten Teil des Satzes mit allem ihm zur Verfügung stehenden Zorn und Speichel auszuspucken, „ich will sofort wissen, wer von euch das …“

„Ich!“, rief Jenny und trat einen Schritt vor. „Ich war das, Genosse Direktor. Ich, Jennifer Kaluza.“

Sie konnte nicht widerstehen, dabei zu lächeln. Sie hatte Ich gesagt.


Heute

Ayla sagte leise: „Es geht doch nicht um dich. Es geht um uns alle, um – die Demokratie. Genau wie Finn sagt. Und du stehst jetzt quasi in der ersten Reihe, ob du willst oder nicht. Und wir stehen alle bei dir, hörst du?“

Mit einem Zug leerte Nadiem das Glas. „Danke für eure Worte. Aber ich melde mich von dem Poetry Slam ab. Sonst bringe ich bloß alle in Gefahr.“

„Dann haben die gewonnen!“, protestierte Finn.

„Haben die eh“, rief Nadiem, „schon vor Jahren. Ihr wollt es bloß nicht wahrhaben. Seit Jahren dominieren die die Talkshows und ihre Positionen werden immer mehr Mainstream. Ihr könnt nichts mehr gegen die tun. Es ist viel, viel zu spät.“ Dann setzte er leise hinzu: „Ohne Text kann ich eh nicht beim Slam antreten. Ich hab nämlich die totale Schreibblockade."


Making of

Am Anfang war Harry. Der wohnte schon lange in meinem Kopf und streifte 1945durch die Ruinen seiner Stadt. Er verwandelte sich allmählich von einem glühenden Hitlerjungen zu einem Demokraten und Jazzliebhaber – und war mir doch irgendwie zu wenig für einen ganzen Jugendroman.

Völlig unabhängig von Harry tauchte eines Tages Nadiem in meinem Kopf auf. Auch seine Geschichte ließ mich nicht mehr los, die in ein paar Punkten auf wahre Begebenheiten zurückgeht. Aber auch hier sprang in mir noch nicht den entscheiden Funken über.

Die eigentliche Initialzündung kam schließlich von Jenny, die wie aus dem Nichts auftauchte, an meiner inneren Tür klingelte und fragte, ob sie reinkommen dürfe. Ich begriff schlagartig, dass diese drei Geschichten zusammengehören. Alles ergab auf einmal Sinn und die Geschichte nahm fast von allein ihren Lauf.

Beim Schreiben tauchte ich in drei verschiedene Zeiten – neben unserer Gegenwart in die Wendezeit 1989-1991 und in die unmittelbare Nachkriegszeit 1945-1947. Was mir dabei sehr geholfen hat – neben Büchern, Gesprächen, Besuchen an bestimmten Orten und den berühmten Zetti Knusperflocken aus der DDR (von denen ich während der Arbeit am Roman ca. 700 Päckchen vertilgt haben muss) – war Musik. So hat es sich ergeben, dass in der Geschichte von Harry, Jenny und Nadiem viele Lieder aus unterschiedlichen Epochen auftauchen.

Wer mal reinhören möchte, findet hier eine Spotify-Playlist.