Die ganze Welt ist ein einziger beschissener Mindfuck.
Ich weiß, wovon ich spreche.
Jetzt gerade in diesem Augenblick zum Beispiel verarbeitet dein Gehirn optische Reize. Dein Auge kann pro Sekunde die Buchstaben von rund drei bis vier Wörtern erfassen. Dein Gehirn setzt sie zu einem Text zusammen, der eventuell Sinn ergibt. Es kann ein Songtext sein oder ein Schulaufsatz oder vielleicht mein geheimes Tagebuch.
Vielleicht.

Oder aber du existierst in Wahrheit gar nicht, sondern ich habe dich nur erfunden. Du wärst meine eigene Schöpfung. Eine Figur in einem Buch, das von einer Figur handelt, die in einem Buch liest ... und immer so weiter.
Hast du jemals über so was nachgedacht?
Wenn nicht, dann fang lieber erst gar nicht damit an.
Es macht dich früher oder später verrückt.


Y-GAME: Wer spielt mit wem?

Im Internet streut ein gewisser „Y“ kryptische Hinweise zur „Suche nach den entführten Kindern“. Für den eigenbrötlerischen Janusz entwickelt sich daraus ein aufregendes Game zwischen virtueller und physischer Realität – und, falls er das Rätsel als erster löst, die Chance auf Respekt und Fame. Was aber, wenn das gar kein Spiel ist? Wenn Y es ernst meint und die „entführten Kinder“ tatsächlich existieren? Ein anonymer Absender schickt Janusz eine Pistole zu. Die Waffe könnte ihn zum Helden machen. Oder zu einem manipulierten Mörder ...


Making of Y-GAME

Als ich anfing, dieses Buch zu schreiben, sollte die Geschichte von Janusz in eine ganz andere Richtung gehen. Eigentlich hatte Janusz sogar bloß eine Nebenfigur sein sollen, und seine Jagd auf Y stand gar nicht im Mittelpunkt. Doch von Janusz und Y ging eine stärkere Faszination aus als von den anderen Figuren. Und so hat sich dieser Roman ganz anders entwickelt – fast ein bisschen von selbst.

Das geschieht ja manchmal beim Schreiben: dass dich ein bestimmter Aspekt der Geschichte einfach nicht mehr loslässt. Ich fand es auf eine gruselige Art spannend, in die Welt der Verschwörungsmythen einzutauchen. Und genau darum geht es ja beim Erzählen: ums Eintauchen.

Verschwörungserzählungen funktionieren ebenfalls wie eine spannende Story: Sie handeln von finsteren Mächten, vom Kampf Gut gegen Böse, von Mut und Widerstand. Leider habe ich inzwischen aber einige Menschen getroffen, denen es schwerfällt, aus diesen Geschichten auch wieder aufzutauchen. Vielleicht liegt es daran, dass ihnen die Wirklichkeit einfach zu kompliziert und zu mühsam geworden ist.

Weil das in jüngerer Zeit immer mehr Menschen betrifft, entstehen verschiedene Anlaufstellen für vertrauliche und kostenfreie Hilfe und Beratung – sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige.

Eine gute Adresse dafür ist die Zentrale Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen Baden-Württemberg, kurz ZEBRA: www.zebra-bw.de

Viele weiterführende Gedanken und Erkenntnisse – nicht zuletzt über mich selbst! – habe ich in einem Ratgeber gefunden, den Mitarbeiterinnen von ZEBRA geschrieben haben.

Sarah Pohl/Isabella Dichtel:
Alles Spinner oder Was? Wie Sie mit Verschwörungsgläubigen gelassener umgehen.
Göttingen 2021