„Aber stell dir mal vor“, sage ich, „nur mal als Gedankenexperiment – wir würden diese Olena treffen. Wir könnten uns mit ihr verbünden. Beziehungsweise Habakuk. Mit Olenas Hilfe würde Habakuk das Web noch mal ganz neu erfinden. Er hätte plötzlich die Möglichkeit, all das, was er immer angeprangert hat, zu beseitigen. Und stattdessen das zu erschaffen, wovon er immer geträumt hat. Ein faires Netz. Sozial und frei. Demokratisch, genossenschaftlich … weißt du noch, was du mir mal dazu geschrieben hast? Er würde ein komplett neues Internetzeitalter einleiten, man würde später eine ganze Ära nach ihm benennen.“

Kalliope zieht lange an ihrer Zigarette. Dann sagt sie: „Ich bin mir nicht sicher, ob Habakuk von so was träumt. Vielleicht ist er in Wahrheit nichts weiter als ein Tastenheld? Ein famegeiler Klickbaiter? Vielleicht fände er es im Gegenteil ganz gut, einfach ein paar Tage in den Wäldern zu bleiben und auszuspannen, bis die Cyberkalypse vorüber ist.“

„Habakuk hat gefordert, das ganz große Rad zu drehen, statt an den Symptomen zu werkeln“, widerspreche ich. „Weißt du das schon nicht mehr? Das klang vor ein paar Wochen noch voll abstrakt für mich, weil ich mir unter einem solchen Rad gar nichts vorstellen konnte. Aber jetzt gibt es dieses Rad tatsächlich. Olena und ihre Freunde haben es erschaffen.“

„Mag sein. Aber es ist zu groß für Habakuk. Auf alle Fälle zu groß für Kalliope.“


INFLUENCE. Fehler im System

Amir will Internet-Geschichte schreiben, indem er brisantes Material zu einem Datenskandal an den Netzaktivisten Habakuk leakt. Aber das Netz schreibt seine Geschichte lieber selbst – indem es weltweit kollabiert. Mitten im losbrechenden Chaos sucht Amir nach seinem Kontaktmann, trifft aber statt Habakuk die erfolgreiche Influencerin Kalliope. Das kann kein Zufall sein. Ebenso wenig wie der Beinahe-Unfall, den Amir und Kalliope um ein Haar mit dem Leben bezahlt hätten. Wer sind die unbekannten Verfolger, was hat es mit dem Globalen Komitte auf sich und wie kann die Welt drei Tage ohne Internet überleben, wenn schon nach wenigen Stunden „Cyberkalypse“ alle vollkommen durchdrehen?


Making of

Ich hatte schon lange dieses Bild einer Influencerin im Kopf, Kalliope, über die ich eine Geschichte erzählen wollte, doch da fehlte mir irgendwie die richtige Perspektive und ein richtig spannender Kontext. Bis eines Tages dieser Amir vor meinem inneren Auge auftauchte und mit ihm das Bild der „Cyberkalypse“ ... Mich faszinierte dieses Gedankenexperiment, wie wir damit umgehen würden, wenn es von jetzt auf gleich kein Internet mehr gäbe. Nicht als Endzeitthriller oder so was, das war mir wichtig. Ich wollte nicht schreiben, wie die Energieversorgung zusammenbracht, der Strom ausfällt und das Chaos über den Planeten schwappt. Das können andere viel besser schreiben als ich. Ich ließ also die Kraftwerke weiterlaufen und alles, was nicht digital ist, sollte in diesem Roman unberührt bleiben. Das Chaos aber bricht trotzdem aus. Ohne, dass ich das zunächst wollte. Wenn du einen Roman schreibst, übernimmt früher oder später die Geschichte selbst die Regie, das hast du gar nicht so richtig in der Hand.

Aber ist das noch ein Jugendbuch? Und wieso überhaupt immer diese Schubladen? Da war es fast eine Fügung, dass mein Heimatverlag dtv mit seinem neuem Imprint bold an den Start ging und mich einlud, INFLUENCE in diesem Programm zu veröffentlichen.